Die Gewinner 2014

GRATULATION AN DIE GEWINNER
DES SPARDA JAZZ AWARD 2014

 

3. Platz

Clara Haberkamp

Sparda-Bank Bühne (Marktplatz)
am 6. Juni 2014 von 21:00 bis 22:00 Uhr


Stefan Schmid Quartett

Es gibt Jazzmusiker, die gar nicht so viel Leben leben können, wie sie in ihre Musik packen. Sie geben in ihren Kompositionen Konflikte vor, die sie dann in ihren Improvisationen austragen. Zu dieser seltenen Species gehört die junge Berliner Pianistin Clara Haberkamp.

Wer einfach nur ihren Ton hört, glaubt kaum, dass Clara Haberkamp erst Anfang zwanzig ist. Sie studiert noch, hat aber bereits alles, was eine vollendete Tonpoetin braucht. Sicher ist sie noch auf der Suche, aber welcher große Musiker wäre das nicht zeitlebens? Diese Suche ist ihr Ziel. Immer wach bleiben, immer etwas neues finden. Jeder Tag, an dem ihr nichts neues einfällt, ist für sie ein verlorener Tag. Und jeder Ton, der kein Eigenleben hat, ist für sie ein verlorener Ton.

Vor allem kann sie Geschichten erzählen. In ihrer Musik spiegelt sie die Welt, die sie erlebt. Sie ist in einem musikalischen Elternhaus aufgewachsen – Mutter und Vater sind selbst Jazzmusiker – beschreitet jedoch selbstbewusst ihren eigenen Weg. Ihr Klavier klingt wie eine Stimme. Manchmal zart, verletzlich, zurückgenommen, andermal stark, couragiert, wie ein ganzer Chor in einer Person. Zwei Extreme fechten in ihren Stücken einen Kampf aus, der die Musik oft an ihre Grenzen führt. Wer sich auf sie einlässt wird, ob er will oder nicht, in diesen Konflikt hineingezoomt. Zweifel und Unschuld prallen auf Radikalität und Härte. Clara Haberkamp ist nicht das Eine oder das Andere, sondern füllt beide Positionen voll und ganz aus. Ein Kompromiss zwischen beiden Aspekten ist nicht möglich. Das Gemeinsame beider Haltungen ist jedoch die hundertprozentige Leidenschaft, mit der sie jeweils ausgedrückt werden. Das erklärt die dramatische Spannung in ihren Stücken. Die junge Pianistin lässt sich nicht von den Vorgaben der Logik korrumpieren, sie verlässt sich lieber aufs Leben und das ist alles andere als logisch.

Wenn Wucht, Tiefe und narrativer Überschwang ihrer Klaviermusik der Pianistin mal zu viel werden, zieht sie noch ein weiteres Register. Sie singt. Hat man sich erst einmal auf ihr Klavierspiel eingelassen, ist ihre Stimme erneut eine Offenbarung. Sie ist ganz klar, schön und unverstellt, kommt ohne jedes aufgesetzte Pathos und jede falsche Patina aus, die Jazzgesang oft so anstrengend machen. Clara Haberkamp singt, weil sie singen will, nicht weil sie zeigen muss, wie toll sie auch noch singen kann. Der Gesang gibt der Pianistin Gelegenheit, sich auf sich selbst zurückzuziehen und neue Kräfte zu sammeln.

Musiker wie Clara Haberkamp betreten nicht oft die Bühne des Jazz. Jeder Auftritt von ihr ist ein Erlebnis, eine Reise mit offenem Ziel.

Wolf Kampmann

 

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2. Platz

Trumann Doktrin

Sparda-Bank Bühne (Marktplatz)
am 7. Juni 2014 von 20:30 bis 22:00 Uhr


Truman-Doktrin

"Zum gegenwärtigen Zeitpunkt der Weltgeschichte muss fast jede Nation zwischen alternativen Lebensformen wählen. Nur zu oft ist diese Wahl nicht frei. Die eine Lebensform gründet sich auf den Willen der Mehrheit und ist gekennzeichnet durch freie Institutionen, repräsentative Regierungsform, frei Wahlen, Garantien für die persönliche Freiheit von politischer Unterdrückung. Die andere Lebensform gründet sich auf den Willen einer Minderheit, den diese der Mehrheit gewaltsam aufzwingt. Sie stützt sich auf Terror und Unterdrückung, auf die Zensur von Presse und Rundfunk, auf manipulierte Wahlen und auf den Entzug der persönlichen Freiheiten." *

Das Kölner Jazzensemble Trumann Doktrin spielt Eigenkompositionen und Jazzstandards im Stil des zeitgenössischen Jazz.

Dabei bewegt sie sich in einem Rahmen festgelegter Kompositionen, innerhalb dessen Gestaltungsfreiheit und Improvisation die größte Rolle spielen. Die Musik der Doktrin basiert auf der persönlichen Freiheit jedes einzelnen Musikers, ständig entstehen neue Ideen, werden entwickelt, verworfen und erlangen allgemeine Gültigkeit.

*Auszug aus "Truman-Doktrin" von Harry S. Truman; 12.März 1947

Besetzung: Janning Trumann (Posaune), Simon Seidl (Klavier), Reza Askari (Bass), Fabian Arends (Schlagzeug)

 

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1. Platz

Jan Prax Quartett

Sparda-Bank Bühne (Marktplatz)
am 8. Juni 2014 von 19:30 bis 21:00 Uhr


Einem.Art

No pain, no game.

JP4, das Quartett um den 21-jährigen Ausnahmesaxophonisten Jan Prax, nahm bereits vier Monate nach seiner Gründung am Future Sounds Wettbewerb der Leverkusener Jazztage 2012 teil. Dort zogen die vier Baden-Württemberger mit ihrer energiegeladenen Bühnenpräsenz sowie ihrem frischen, pulsierenden Sound sowohl Jury als auch Publikum prompt in ihren Bann und entschieden den Wettbewerb für sich.

Dieser furiose Auftakt spiegelt sich auch in der Musik des JP4 wieder. Inspiriert durch die zeitlose Tiefe amerikanischer Jazzlegenden stellen die Eigenkompositionen ein kraftvolles Bekenntnis zum Jazz in dieser Zeit dar.

Das Jan Prax Quartett konnte, neben zahlreichen deutschlandweiten Auftritten, bereits internationale Festivalbühnen erklimmen, wie zum Beispiel die des Lotos Jazzfestivals in Polen oder des Jazzàblanca Festivals in Marokko. Als Highlight der Festivalsaison 2013 teilte sich das Jan Prax Quartett mit der Band um David Sanborn und Steve Gadd den Abend auf der Hauptbühne der Leverkusener Jazztage.

Ihre Zweite Demo-CD "Arrive on Time!" ist im November 2013 erschienen.

Besetzung: Jan Prax (sax), Martin Sörös (piano), Timan Oberbeck (bass), Michael Mischl (drums)

 

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An dieser Stelle möchten wir uns ganz herzlich bei unseren Juroren Ursula Wißborn, Klaus Doldinger, Nico Brandenburg, Rüdiger Herzog und Karsten Mützelfeldt bedanken.